Heizen gehört in vielen Haushalten zu den größten Energieverbrauchern. Entsprechend groß ist das Einsparpotenzial: Bereits die richtige Raumtemperatur, sinnvoll eingestellte Thermostate und korrektes Lüften können dazu beitragen, den Energieverbrauch zu reduzieren – ohne dass die Wohnung kalt bleiben muss.
Wie hoch die Heizkosten tatsächlich ausfallen, hängt allerdings von vielen Faktoren ab. Wohnfläche, energetischer Zustand des Gebäudes, Heizsystem, Energiepreis und das persönliche Heizverhalten spielen eine Rolle. Pauschale Angaben zur möglichen Ersparnis sind deshalb mit Vorsicht zu betrachten.
Welche Raumtemperatur ist sinnvoll?
Nicht jeder Raum muss gleich warm sein. Während im Wohnzimmer eine höhere Temperatur angenehm sein kann, wird im Schlafzimmer häufig eine niedrigere Temperatur bevorzugt.
Als Orientierung können folgende Temperaturen dienen:
| Raum | Ungefähre Temperatur |
|---|---|
| Wohnzimmer | 20–22 °C |
| Arbeitszimmer | 20–22 °C |
| Schlafzimmer | 16–18 °C |
| Küche | 18–20 °C |
| Badezimmer | 21–23 °C |
| Flur | 16–18 °C |
Dabei handelt es sich nicht um verbindliche Vorgaben. Persönliches Wärmeempfinden, Alter und Nutzung der Räume unterscheiden sich.
Entscheidend ist jedoch: Je größer der Temperaturunterschied zwischen Innen- und Außenbereich ist, desto mehr Wärme geht über die Gebäudehülle verloren. Eine unnötig hohe Raumtemperatur erhöht daher den Energieverbrauch.
Thermostat richtig einstellen
Bei klassischen Heizkörperthermostaten entspricht die höchste Einstellung nicht einem besonders schnellen Aufheizen des Raumes. Das Thermostat reguliert vielmehr, bis zu welcher Temperatur geheizt werden soll.
Bei vielen Thermostaten entsprechen die Zahlen ungefähr folgenden Temperaturen:
| Thermostat | Ungefähre Raumtemperatur |
|---|---|
| * | Frostschutz |
| 1 | 12 °C |
| 2 | 16 °C |
| 3 | 20 °C |
| 4 | 24 °C |
| 5 | 28 °C |
Die tatsächlichen Temperaturen können je nach Thermostat und Einbausituation abweichen.
Wer einen Raum auf etwa 20 Grad bringen möchte, muss das Thermostat also nicht auf Stufe 5 stellen. Dadurch wird der Raum normalerweise nicht schneller warm.
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Richtig lüften statt Wärme verschwenden
Auch beim Lüften lässt sich unnötiger Wärmeverlust vermeiden. In der Heizperiode ist kurzes Stoßlüften mit weit geöffneten Fenstern meist sinnvoller als ein über längere Zeit gekipptes Fenster.
Beim Stoßlüften wird die Raumluft vergleichsweise schnell ausgetauscht. Wände und Möbel kühlen dabei weniger stark aus als bei dauerhaft gekippten Fenstern.
Während des Lüftens sollten Heizkörperthermostate heruntergedreht werden. Andernfalls reagiert das Thermostat auf die einströmende kalte Luft und öffnet das Ventil möglicherweise vollständig.
Wie häufig gelüftet werden sollte, hängt unter anderem von Raumgröße, Personenzahl, Nutzung und Luftfeuchtigkeit ab.
Heizkörper nicht zustellen
Ein Sofa unmittelbar vor dem Heizkörper oder lange Vorhänge können die Wärmeverteilung behindern. Die erwärmte Luft sollte möglichst ungehindert in den Raum gelangen können.
Auch Thermostatköpfe sollten nicht durch Möbel oder Vorhänge verdeckt werden. Andernfalls kann sich dort Wärme stauen und das Thermostat eine andere Temperatur erfassen als im übrigen Raum.
Wann muss ein Heizkörper entlüftet werden?
Gluckernde Geräusche oder ein Heizkörper, der trotz aufgedrehtem Thermostat teilweise kalt bleibt, können auf Luft im Heizkörper hindeuten.
Eine Entlüftung kann dann sinnvoll sein. Allerdings ist nicht jedes Heizungsproblem auf Luft zurückzuführen. Bleibt ein Heizkörper dauerhaft kalt oder wird nur ungleichmäßig warm, können beispielsweise auch das Thermostatventil, der Wasserdruck oder die Heizungsanlage selbst die Ursache sein.
Bei Mietwohnungen oder Unsicherheit sollte deshalb die Hausverwaltung beziehungsweise ein Fachbetrieb angesprochen werden.
Nachtabsenkung: Heizung nachts ausschalten?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Wie stark eine Temperaturabsenkung während der Nacht sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Gebäude und vom Heizsystem ab.
Ein schlecht gedämmtes Gebäude reagiert anders als ein moderner, gut gedämmter Neubau. Auch bei Fußbodenheizungen oder Wärmepumpen können starke kurzfristige Temperaturänderungen weniger sinnvoll sein als bei klassischen Heizkörpern.
Die Heizung nachts grundsätzlich vollständig auszuschalten, ist daher keine allgemeingültige Energiesparregel.
Räume nicht vollständig auskühlen lassen
Wenig genutzte Räume müssen nicht genauso warm sein wie das Wohnzimmer. Sie sollten während der Heizperiode jedoch nicht unnötig stark auskühlen.
Kalte Oberflächen können in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit die Gefahr von Feuchteproblemen und Schimmel erhöhen. Besondere Aufmerksamkeit ist deshalb unter anderem Schlafzimmern, wenig beheizten Nebenräumen und Außenwänden zu widmen.
Wer die Raumtemperatur reduziert, sollte daher gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit im Blick behalten und ausreichend lüften.
Programmierbare und smarte Thermostate
Elektronische Thermostate können die Heizung automatisch nach einem Zeitplan regeln. So lässt sich etwa die Temperatur während regelmäßiger Abwesenheitszeiten reduzieren und vor der Rückkehr wieder anheben.
Smarte Thermostate ermöglichen zusätzlich eine Steuerung per App und teilweise Funktionen wie Fenstererkennung oder Anwesenheitssteuerung.
Ob sich die Anschaffung finanziell lohnt, hängt davon ab, wie bisher geheizt wird. Wer seine Thermostate bereits konsequent manuell regelt, hat möglicherweise ein geringeres zusätzliches Einsparpotenzial als ein Haushalt, in dem Räume regelmäßig unnötig beheizt werden.
Heizungsanlage richtig einstellen
Nicht nur das Verhalten der Bewohner beeinflusst den Energieverbrauch. Auch die Einstellung der Heizungsanlage kann eine wichtige Rolle spielen.
Zu den möglichen Ansatzpunkten gehören:
- Heizkurve beziehungsweise Vorlauftemperatur
- Heizzeiten
- Nachtabsenkung
- Warmwassertemperatur
- Umwälzpumpe
- hydraulischer Abgleich
Welche Einstellungen sinnvoll sind, hängt stark von der jeweiligen Anlage und dem Gebäude ab. Änderungen an der Heizungsanlage sollten deshalb nicht nach pauschalen Internetwerten vorgenommen werden.
Insbesondere bei Wärmepumpen ist eine möglichst niedrige erforderliche Vorlauftemperatur für einen effizienten Betrieb von Bedeutung.
Was bringt ein hydraulischer Abgleich?
Werden einige Heizkörper rasch warm, während andere Räume trotz aufgedrehter Thermostate nicht richtig beheizt werden, kann die Wärmeverteilung innerhalb des Heizsystems unausgeglichen sein. Bei einem hydraulischen Abgleich wird die Heizungsanlage so eingestellt, dass die Heizflächen entsprechend ihrem Bedarf mit Heizwasser versorgt werden. Ob ein hydraulischer Abgleich sinnvoll oder erforderlich ist, sollte anhand der jeweiligen Heizungsanlage geprüft werden.
Fenster und Türen als Wärmeverlust
Undichte Fenster und Türen können zu Zugluft und zusätzlichen Wärmeverlusten führen. Nicht immer müssen deshalb sofort neue Fenster eingebaut werden. Bei älteren Fenstern kann zunächst geprüft werden, ob Dichtungen beschädigt oder Einstellungen erforderlich sind. Bei größeren energetischen Sanierungen sollte dagegen das Gebäude als Ganzes betrachtet werden.
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Der Austausch einzelner Bauteile ohne Gesamtkonzept ist nicht automatisch die wirtschaftlichste Lösung.
Heizkosten richtig vergleichen
Ein häufiger Fehler besteht darin, Heizkosten ausschließlich anhand des Rechnungsbetrags zu vergleichen. Steigende Kosten bedeuten nicht automatisch, dass auch mehr Energie verbraucht wurde. Für eine sinnvolle Beurteilung sollten mindestens folgende Werte betrachtet werden:
Energieverbrauch + Energiepreis + Wohnfläche + Witterung
Ein Haushalt kann insbesondere weniger Energie verbrauchen als im Vorjahr und aufgrund gestiegener Preise trotzdem eine höhere Rechnung erhalten. Wer überprüfen möchte, ob Energiesparmaßnahmen funktionieren, sollte deshalb möglichst den Verbrauch in Kilowattstunden beziehungsweise die verbrauchte Brennstoffmenge vergleichen und nicht nur den Rechnungsbetrag.
Wann lohnt sich eine neue Heizung?
Das Alter einer Heizungsanlage allein beantwortet diese Frage nicht. Entscheidend sind unter anderem Zustand und Effizienz der vorhandenen Anlage, Gebäudezustand, Wärmebedarf, Investitionskosten und die langfristig verfügbaren Energieträger.
Mögliche Systeme sind beispielsweise:
- Wärmepumpe
- Fernwärme
- Biomasseheizung
- Solarthermie als Ergänzung
- verschiedene hybride Lösungen
Welche Technik für ein Gebäude geeignet ist, lässt sich nicht seriös allein anhand allgemeiner Internetempfehlungen entscheiden. Vor einer größeren Investition sollte deshalb eine individuelle Planung beziehungsweise Energieberatung erfolgen.
Förderung für Heizung und energetische Sanierung
Für den Austausch von Heizungsanlagen und andere energetische Maßnahmen können staatliche Förderungen zur Verfügung stehen. Förderhöhe, technische Voraussetzungen und Antragsverfahren können sich jedoch ändern.
Deshalb sollten Förderbedingungen unmittelbar vor der geplanten Maßnahme bei den offiziellen Stellen geprüft werden. Wichtig ist außerdem, dass bei vielen Programmen bestimmte Fristen und Voraussetzungen bereits vor Vertragsabschluss beziehungsweise Beginn der Arbeiten beachtet werden müssen.
Heizkosten senken: Die wichtigsten Maßnahmen
Wer zunächst ohne größere Investitionen Heizenergie sparen möchte, kann an mehreren Stellen ansetzen:
- Raumtemperatur bewusst wählen
- Thermostate richtig einstellen
- kurz und kräftig lüften
- Heizkörper und Thermostate freihalten
- unnötig beheizte Räume vermeiden
- Räume trotzdem nicht vollständig auskühlen lassen
- Heizzeiten an den tatsächlichen Bedarf anpassen
- Heizenergieverbrauch regelmäßig kontrollieren
- bei Auffälligkeiten die Heizungsanlage überprüfen lassen
Welche Maßnahme die größte Wirkung hat, hängt vom jeweiligen Gebäude und bisherigen Verbrauch ab.
Häufige Fragen zum richtigen Heizen
Spart es Energie, die Heizung nachts herunterzudrehen?
Eine Absenkung kann den Wärmebedarf reduzieren. Wie stark sie sinnvoll ist, hängt allerdings vom Gebäude und Heizsystem ab. Bei trägen Heizsystemen wie Fußbodenheizungen können andere Einstellungen sinnvoll sein als bei klassischen Heizkörpern.
Wird ein Raum schneller warm, wenn das Thermostat auf 5 steht?
In der Regel nein. Ein klassisches Thermostat bestimmt die gewünschte Raumtemperatur. Eine höhere Einstellung sorgt deshalb normalerweise nicht dafür, dass sich der Heizkörper schneller erwärmt.
Sollte die Heizung beim Lüften ausgeschaltet werden?
Bei längerem beziehungsweise kräftigem Lüften ist es sinnvoll, das Thermostat herunterzudrehen. Dadurch wird verhindert, dass das Ventil aufgrund der kalten Außenluft unnötig öffnet.
Welche Temperatur sollte ein Wohnzimmer haben?
Häufig werden etwa 20 bis 22 Grad als Orientierung genannt. Die individuell angenehme Temperatur kann davon abweichen.
Wie kann ich feststellen, ob ich weniger Heizenergie verbrauche?
Am aussagekräftigsten ist der Vergleich des tatsächlichen Energieverbrauchs über mehrere Abrechnungsperioden. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass unterschiedlich kalte Winter den Verbrauch erheblich beeinflussen können.
Richtig heizen bedeutet nicht frieren
Energie sparen beim Heizen bedeutet nicht, möglichst niedrige Raumtemperaturen zu ertragen. Sinnvoller ist es, unnötige Wärmeverluste zu vermeiden und die Heizung an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. Wer Raumtemperaturen, Lüftungsverhalten und Energieverbrauch kennt, kann gezielt dort ansetzen, wo tatsächlich Einsparpotenzial vorhanden ist. Bei größeren Veränderungen an Heizungsanlage oder Gebäude sollte dagegen individuell geprüft werden, welche Lösung technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.
Alles dicht?
Tipps und Hinweise zum Thema undichte Fenster & Türen sind in einer gesonderten Rubrik aufgeführt.